Hamsterrad im Kopf

18 Uhr. Ich fahre den Rechner herunter, packe mein Zeug zusammen und freue mich auf den Feierabend. Endlich abschalten, endlich Ruhe. Ich steige in die Bahn und spüre, dass mein Körper total erschöpft ist. Naja, passiert. Zuhause angekommen packe ich mich auf die Couch, schließe die Augen und warte auf den lang ersehnten Entspannungsmoment. Hach toll, bin bereit! Moment mal…

Statt abzuschalten, dreht ein Hamster in meinem Kopf seine Runden in einem nicht stillstehenden Laufrad. Was fällt dem Mistvieh ein! Ich will mich entspannen, doch stattdessen kann ich nicht aufhören nachzudenken. Ich muss noch in den Supermarkt und zum Waschsalon. Meine Freundin sollte ich auch anrufen, die hat Liebeskummer. Oh und was mache ich jetzt mit der geschrotteten Waschmaschine? Und das Laufrad dreht sich und dreht sich.

Argh! Und nun?

Och nö! Das passiert mir leider viel zu oft. Worüber muss ich bloß ständig nachdenken? Eigentlich über nichts Konkretes. Ich denke über den Sinn des Lebens nach, darüber was ich abends essen werde. Ich spiele Situationen, die ich erlebt habe nochmal durch und frage mich, was hätte anders laufen können. Meistens ackere ich aber immer wieder ToDo-Listen durch und zähle mir im Kopf auf, was ich noch alles tun muss. Heute, morgen, bis zum Ende der Woche, überhaupt irgendwann einmal. Ich finde schlecht zur Ruhe, wenn nicht alles erledigt ist. Aber natürlich ist niemals alles erledigt. Also läuft der Hamster weiter in seinem Laufrad.

Eine dicke Masse von Gedanken

Hamster im Laufrad
Und das Hamsterrad dreht sich weiter.

Süße, ich kann dich denken sehen, sagt mein Freund. Ich habe gar nicht mitbekommen, dass ich mal wieder ins Leere starre. Recht hat er! Die Gedanken laufen querbeet durcheinander, sodass ich gar keinen klaren Gedanken mehr fassen kann und alles zu einer dicken Masse von Gedanken verschwimmt. Ich muss mich unbedingt ablenken und was vollkommen Gedankenloses machen! Ich schnappe mir den Ikea-Katalog und bewundere die hübsche Balkongarnitur.

Eine Pause für den Hamster

Mit solchen relativ banalen Beschäftigungen kann ich mich ruhig halten und den Kopf entspannen. Wie beim Yoga. Oder Schlafen (Schlafen ist immer geil!). Sport macht auch den Kopf frei, sich einmal richtig auspowern (nur blöd, dass man sich dabei bewegen muss, Pluspunkt fürs Schlafen!). Dann macht der Hamster im Kopf Pause, wird immer langsamer und läuft irgendwann die meiste Zeit nur noch gemächlich.

Chill mal, Hamsterbacke!

Während ich die Ikea-Balkongarnitur bewundere, huschen gemeine Gedanken durch meinen Kopf: Während du hier die Zeit mit Nichtstun vergeudest, hättest du schon längst die Wohnung putzen können. Die Arbeit macht sich schließlich nicht von selbst. Und das Waschmaschinen-Problem ist auch noch nicht gelöst! Nichts kriegst du gebacken. Ich atme tief durch und puste die Gedanken aus mir raus. Ich verlange schon wieder viel zu viel von mir. Der Hamster freut sich und dreht eine extraschnelle Runde, wenn er Selbstvorwürfe schnuppert!

Klar will ich mein Leben im Griff haben. Aber es muss schon auch Zeit sein, das Leben zu leben. Gib Ruhe!, ermahne ich den Hamster. Bin ich heute eben keine Vorzeige-Hausfrau. Es ist auch schon ein Erfolg, wenn ich auf einer Skala von 1-10 eine 7 bin. Muss ja nicht gleich immer eine 12 sein.

Für heute lässt mich der Hamster in Frieden. Aber ich bin realistisch und weiß, dass es immer wieder Tage geben wird, da dreht sich das Laufrad eben. Längere ToDo-Listen in stressigen Zeiten treiben es an. Aber das passt schon. Irgendwo liegt immer ein Ikea-Katalog, der für einen Ausgleich sorgt. Und wenn nicht, schließe ich die Augen, höre Musik und atme. Wie sagt meine Yoga-Trainerin immer:

Atme ein… tsssss….atme aus… puuuuh. Dann chillt auch der Hamster!

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