Warum Vieldenker oft nicht zufrieden sind

Wenn ich in der Heimat alte Schulkameraden treffe, die nie die Kleinstadt verlassen haben, die eine Ausbildung gemacht, früh geheiratet, zwei Kinder auf die Welt gebraucht und ein Eigenheim gekauft haben, dann denke ich: Die sehen verdammt zufrieden aus! Warum kriege ich das nicht hin?

Ich bin zu komplex

Weil ich immer nach mehr strebe. Ich tue mich schwer damit, genügsam zu sein. Und warum? Warum genügt mir nicht, was ich habe und denen schon? Mein Bruder meinte einmal zu mir: Ich bin zu komplex. Ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken, wieso weshalb warum das alles so ist, wie es ist. Und damit behindere ich mich quasi selbst. Da ist etwas Wahres dran. Ich denke nicht, dass ich mit dem Lebensweg Ausbildung-Heirat-Kinder-Eigenheim glücklicher wäre. Weil mein Kopf so nicht funktioniert. Ich wäre nicht ausgelastet und würde mich vermutlich irgendwann fragen: Jechen, wie bin ich hier bloß gelandet?

Arme Würstchen

Im Grunde sind die Vieldenker ziemlich arme Würstchen. Sie sind es, die Burnout bekommen, weil sie ihren Kopf nicht ruhig kriegen. Sie sind es, die in Depressionen verfallen. Sie sind es, die ewig wie streunende Köter durchs Leben irren. Ich generalisiere hier, klar! Mir geht es aber ums Prinzip. Wie geil wäre es, wenn ich einfach mit einem Frisörjob zufrieden sein könnte? Wenn ich mich nicht fragen würde, was da draußen noch ist? Wenn ich nicht immer das Beste leisten wollen würde? Mich nicht mit der Frage nach dem Sinn selbst geißeln müsste? Ich stelle mir das unglaublich… ruhig und friedlich vor. Einfach Bauer sucht Frau schauen und die nächsten 30 Jahre meines Lebens zufrieden sein, ohne nach mehr zu verlangen.

Mir dröhnt der Kopf

Manchmal wünschte ich, ich wäre einfacher gestrickt und könnte das Denken lassen. Mir dröhnt der Kopf von all dem Shit da draußen, um den ich mir Gedanken machen soll. Ich brauche diese ganzen schwierigen Gesellschaftsthemen nicht, die sich ohnehin nie lösen lassen. Ich brauche Ruhe und Harmonie. Und Frieden mit mir selbst.

Warum sind kluge Menschen so unglücklich?

Zufrieden
Kluge Menschen sind oft unglücklich und unzufrieden

Ich habe neulich einen Artikel darüber gelesen, warum kluge Menschen oft so unglücklich sind. Ich habe mich total darin wiedergefunden. Sie machen es sich selbst unfassbar schwer. Sie sehen, was da draußen passiert – all der Krieg, Terror, die Armut, das Leid – und können doch nichts tun. Sie spüren den Druck, etwas zu leisten – wer, wenn nicht ‚die intellektuelle Elite‘? Aber dabei verlernen sie, richtig zu leben. Zu genießen. Auszuatmen. Zufrieden zu sein. Ich spüre den Knoten in meiner Brust und ich will, dass er platzt.

 

Nicht alle über einen Kamm geschert

Wie gesagt, mir ist klar, dass ich generalisiere: Sicher haben meine alten Schulkameraden genauso ihre Probleme und sind nicht immer rundherum mopsfidel. Und genauso haben nicht alle klugen Köpfe einen Hamster im Kopf, der ihnen zu schaffen macht. Das ist sogar ganz beruhigend, denn die Welt braucht Menschen mit einem gesunden Verstand. Das sehen wir ja an Donald Trump – wenn die ganze Welt von solchen Kerlen regiert würde, gäbe es bald keine Welt mehr.

Was wäre wenn

Ich frage mich einfach manchmal, was wäre, wenn ich mich nicht so entwickelt hätte. Wenn ich Frisörin geworden wäre. Und mir mein erster Freund genügt hätte. Was wäre, wenn ich nur ein klitzekleines bisschen einfacher gestrickt und ruhiger im Kopf wäre.

Wäre ich dann glücklicher?

  1. Maria

    Ich liebe diese Analogie. „Hamster im Kopf“ 😂😂😂😂

    Ja, damit hast du wohl recht. Ich frage mich auch immer wieder: „was wäre, wenn…“.

    Warum vertraue ich meinen eigenen Entscheidungen nicht? Weil ich mir selbst nicht vertraue? Richtig, ich vertraue mir selbst nicht, deshalb vertraue ich auch nicht darauf, dass ich richtige Entscheidungen getroffen habe oder treffen werde.

    Aber…ist das wirklich wichtig? Ob sie richtig oder falsch waren oder sind.

    Nein, es ist nicht wichtig. Solange ich trotzdem Leben kann.

    Aber…lebe ich oder vegetiere ich vor mich hin? Eigentlich ist auch das gleich. Denn das Alles ist immer meine Entscheidung auf welche ich nicht vertraue.

    So damit bin ich in der Schleife drin. An welcher Stelle sollte ich aussteigen?

    Kann ich denn aussteigen? Nein, nicht solange ich immer wieder darüber nachdenke.

    Wie kann ich aufhören zu denken? Da gibt’s eigentlich nur eine wirkliche Möglichkeit. Diese Möglichkeit ist aber nicht möglich, ohne aufzuhören zu denken und es einfach zu tun. Vielleicht sollte ich aber weiter denken, denn diese Möglichkeit ist eigentlich nicht schön.

    Jetzt dreht sie wieder durch…sie denkt schon wieder zu weit…😂😂😂😂

    Ich brauche andere Informationen. Input in meinen output, um etwas anders zu denken.

    1. Mieth me!

      Diese Schleife kenne ich selbst auch sehr gut. Mir hat es geholfen, mir bewusst zu machen, dass ich mich gedanklich in manche Dinge zu sehr hineinsteigere und mich bewusst abzulenken bzw. auf andere Gedanken zu bringen. Anderer Input für meinen Output 😉

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