Vom Helfen und mal Neinsagen

Helfen ist ja grundsätzlich eine gute Sache! Ich bin sogar der Meinung, dass wir einander in der heutigen Gesellschaft viel zu wenig helfen und Helfen nicht mehr selbstverständlich ist (s. Awe-inspring moments mit Interaktion). Aber dann gibt es auch die Menschen, deren Helfer-Instinkt sehr stark ausgeprägt ist. So stark, dass ihnen das auch schnell zum Verhängnis werden kann.

Ich mach das doch gern!

Nehmen wir zum Beispiel Tina. Tina ist ein total nettes Mädchen. Jeder mag sie, weil sie immer gute Laune versprüht und immer für andere da ist. Wenn sie andere glücklich machen kann, ist auch sie glücklich! So kümmert sie sich im Büro um das Aufstocken der Klopapier-Vorräte, gießt bei ihrer besten Freundin die Blumen oder besorgt für alle Freunde in der Clique die Geburtstagsgeschenke. Tina macht das einfach gerne! Aber mit der Zeit haben sich ihr Freunde so stark daran gewöhnt, dass Tina all diese Sachen macht, dass sie sich darauf verlassen. Obwohl jeder gleich stark dafür zuständig wäre und es nicht Tinas alleinige Aufgabe ist.

Könntest du noch eben?

Dann gibt es noch Leute wie Boris. Boris ist auch ein lieber Kerl, aber er nutzt Tinas helfende Hand hin und wieder aus. Natürlich nie mit einem bösen Hintergedanken! Aber eben, weil es ihm dann doch ganz gut in den Kram passt, unliebsame Aufgaben an Tina abzuwälzen. Sie macht das ja gerne! Tina, könntest du noch eben den Abwasch machen, ich muss meine Bahn kriegen. Oh und vielleicht  – also wenn es dir wirklich nichts ausmacht – der Müll müsste auch noch runter. Sonst stinkt der morgen so. Und schwupps ist Tina zu Boris‘ Mülleimer geworden, der gnädig all seinen Ballast auffängt.

Gedanken-Müll

Helfen
Als Freund sollte man für den anderen da sein, muss aber nicht all seinen Müll auffangen.

A propos Ballast: Der Eimer fängt auch Gedanken-Müll auf. Tina ist eine super Freundin. Sie hört ihren Freunden bereitwillig zu und nimmt Jedermanns Probleme auf. Mitfühlend und fürsorglich trocknet sie jede Träne und hat immer die richtigen aufmunternden Worte parat. Ihre Freunde wissen, dass sie immer zu Tina kommen können. Und es ist wirklich erleichternd, mit jemandem reden zu können. Den Gedanken-Ballast mit jemandem teilen zu können. Seinen Müll abzuwerfen. Und Tina macht es ja gerne!

Aber wer hilft eigentlich Tina? Tjaaaa. Das berühmte Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen zu halten, ist verdammt schwer. Gerade, wenn jemand so gerne gibt. Da ist die Versuchung sehr groß.

Leider nein, leider gar nicht.

Tina weiß, dass es ihr schwer fällt, Nein zu sagen. Sie möchte ihre Freunde nicht verletzen und sie will sie auch nicht traurig sehen. Aber irgendwann wird es ihr einfach zu bunt und sie möchte nicht mehr der Ballast-Mülleimer sein. Also sagt sie zu Bernd und ihren Freunden:

Natürlich braucht jeder einmal einen Freund. Und ich bin gern eure Freundin. Wenn ihr Kummer habt, dürft ihr gerne zu mir kommen. Aber manche Probleme könnt ihr auch selbst lösen, wie zum Beispiel den Abwasch oder das Klopapier. Räumt euren Müll zur Abwechslung mal alleine weg!

Ihre Freunde schauen sie mit großen Augen an. Aber sie werden lernen, sich mit ihren Problemen allein auseinander zu setzen. So wie Tina lernen wird, dass das Neinsagen ihr Selbstbewusstsein stärkt.

Sag doch einfach einmal Nein!, wenn es dir zu viel wird. Das ist unheimlich befreiend und erhellend. Und deine echten Freunde werden dich trotzdem mögen. Hundertprozentig!

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