Wann schreibt man eigentlich so einen Roman?

Jeder, dem ich erzähle, dass ich einen Roman geschrieben habe, schaut mich verdutzt an. „Aber, du arbeitest doch? Wann hast du da denn Zeit, einen Roman zu schreiben?“ Tja …

Ja, stimmt: Während ich meinen Roman geschrieben habe, habe ich fulltime gearbeitet. Und ja, viel Zeit blieb neben den üblichen Freizeitaktivitäten wie Liebe, Freunde, Musik und Sport nicht. Und ja, das Schreibstudium habe ich auch noch gemacht – wobei das eher Hand in Hand mit dem Romanschreiben ging.

Aber so ein Roman schreibt sich auch nicht von jetzt auf gleich

Aber es ist ja auch nicht so, als hätte ich den Roman in einem Monat hingeschmettert. 18 Monate habe ich dafür gebraucht – 1,5 Jahre. Für ein 300-Seiten-Werk ist das nicht gerade schnell. Aber auch nicht unendlich lang. Es gab Phasen, in denen habe ich 2 Monate gar nichts zu Papier gebracht. In anderen Wochen ging es nur sehr schleppend voran, weil andere Themen Priorität hatten. Und dann wieder sind 100 Seiten in zwei Wochen aus mir herausgeflutscht. Trotzdem war mir eine gewisse Kontinuität wichtig: Als ich wusste, ich schreibe einen Roman, da wollte ich es auch durchziehen. Ohne lange Pausen und Abstand vom Text. Ich habe mich also schon immer wieder an die Geschichte herangesetzt.

Lerche und Eule in Einem

Ich bin ja kein Abendmensch – geschweige denn ein Nachtmensch. Den ganzen Tag im Büro und dann abends noch einmal an den Rechner setzen, das ist nichts für mich. Ich stehe aber auch nicht um 5 Uhr morgens auf, um vor der Arbeit noch zu schreiben. Ich würde mich eher als eine seltene Kombination von Lerche und Eule bezeichnen: Ich werde abends früh müde und morgens spät wach 🙂

Mal wieder die Liebe

Nein, dass ich meinen Roman so flüssig schreiben konnte, ist einem Umstand geschuldet, in den mich die liebe Liebe katapultiert hat: Ich habe mich nämlich in einen Mann verliebt, der 70 km von meinem Arbeitsplatz entfernt lebt. Am Anfang bin ich viel zwischen meiner Wohnung in Düsseldorf und seiner im Niederrhein gependelt, und nun pendele ich nur noch vom Niederrhein zu meiner Arbeit in Düsseldorf. Und siehe da: die viele Pendelei hat auch etwas Gutes! Der Großteil meines Romans ist nämlich in der wunderbaren Nordwestbahn entstanden.

Zugschreiben

Du glaubst nicht, wie produktiv man in 1,5 Stunden Zugfahrt sein kann. Zum Glück habe ich nicht das Problem, mich erst einmal lange Einschreiben zu müssen, bevor ich richtig in den Flow komme. Ich klappe den Rechner auf, ordne kurz meine Gedanken oder nehme mir meine Notizen vor, und los geht’s! Das ist sehr praktisch, denn so kann ich im Zug tatsächlich sehr gut und viel schreiben. Klar hat es mich das ein oder andere Mal geärgert, wenn der Zug schneller am Ziel war als ich. Aber die nächste Zugfahrt war ja nie lang entfernt.

Roman
Schreiben im Zug

Das Zugschreiben fördert auch die Konzentration im Büro. Denn so ist mein Kopf schon aktiv, bevor ich am Schreibtisch sitze. Wenn die Zahnräder schon rattern, brauche ich kein Stündchen mehr, um richtig reinzukommen. Abends nach der Arbeit ist das Schreiben für mich wie ein Cut zwischen Arbeit und Privatem. Ich lasse mich nicht erst einmal hängen und bemitleide mich selbst für den harten Arbeitsalltag, sondern nutze das letzte bisschen Restenergie, um mich mit etwas Schönem und Sinnvollen zu beschäftigen. Dann bin ich auch zuhause nicht sofort im Couch-Modus.

Und sonst so?

Ich habe natürlich auch am Wochenende geschrieben, aber im Verhältnis betrachtet nicht sehr viel. Das Wochenende ist für mich eine Auszeit – da möchte ich mich mit meinem Liebsten beschäftigen, Freunde treffen oder raus in die Natur. Den Akku aufladen. Und dadurch, dass ich unter der Woche viel geschrieben habe, hatte ich im Wochenende nie ein schlechtes Gewissen, mir diese Auszeit auch zu gönnen.

Urlaub war auch immer eine sehr produktive Zeit. Wenn ich nicht arbeiten muss, kann ich mich gut jeden Tag mal eine oder zwei Stunden hinsetzen und schreiben, ohne dass der ganze Tag dafür drauf geht. Und wie gesagt: Dadurch, dass ich recht schnell ins Schreiben komme, kann ich in kurzer Zeit auch viel schaffen. Dafür bin ich wirklich dankbar!

Was mache ich jetzt mit der ganzen freien Zeit?

Nachdem mein Roman fertig war, habe ich erst einmal einige Zugfahrten aus dem Fenster geguckt und mich über die Landschaft gefreut. Ich konnte gar nicht glauben, dass ich 1,5 Jahre diese Strecke tagein tagaus gefahren bin, ohne die Felder und Wiesen wahrzunehmen. Beim Aussteigen suchte ich jedes Mal nach der schweren Tasche, die ich sonst immer auf meine Schulter oder meinen Rücken gehievt habe – ich fühlte mich richtig nackig ohne Laptop.

Aber jetzt juckt es mich langsam wieder in den Fingern. Ich schreibe zurzeit viele Texten für Ausschreibungen, Wettbewerbe oder das beziehungsweise-Magazin. Aber in meinem Kopf schwirren auch Ideen für Projekt No. 2. Doch eins nach dem anderen: Jetzt warte ich erst einmal, wie es mit meinem Roman weitergeht, bevor ich mich an ein neues Projekt heranwage.

Ich habe mich entschieden, einen Roman zu schreiben, und jetzt möchte ich auch, dass die Welt ihn zu sehen bekommt. Drück mir die Daumen, dass das klappt!

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