Kurzgeschichte in „Virtuelle Welten“

Jetzt wird’s futuristisch! Meine Kurzgeschichte „Liebe zum Selbermachen“ ist in der Anthologie „Virtuelle Welten“ im MysticVerlag erschienen und stellt die zentrale Frage: Wird Liebe zukünftig nur noch in der digitalen Welt stattfinden?

In der virtuellen Welt

Werden wir eines Tages Realität und Traum noch unterscheiden können? Oder haben wir tatsächlich eine Seele, die gar nicht digitalisiert werden kann? Das sind einige von vielen Kernfragen, denen sich die 20 Geschichten der Anthologie „Virtuelle Welten“ widmen. Sie ist am 15.04.2019 im MysticVerlag erschienen:

Virtuelle Welten
Christoph Grimm (Hrsg.)

Anthologie
Science-Fiction

392 Seiten
ISBN: 978-3947721245
Preis TB: 12,99 €
Preis eBook: 4,99 €

Willkommen bei Happy Love

Mit „Liebe zum Selbermachen“ habe ich mich an Science-Fiction versucht. Aber ich bin mir selbst treu geblieben – die liebe Liebe kommt hier also nicht zu kurz! In der Kurzgeschichte geht es um Happy Love – einem Studio, in denen sich die Besucher ihre Traumromanze selbst zusammenstellen und in der digitalen Welt von ihrem schillernden Prinzen erobert bzw. selbst zum strahlenden Eroberer werden. Bis sich plötzlich zwei reale Menschen bei Happy Love begegnen und ineinander verlieben – und das ganz in Echt 🙂

Leseprobe gefällig?

Liebe zum Selbermachen

Yvonne schob die ausziehbaren Absätze in die Sohle und stellte ihre Pumps ordentlich in das grifflose Schrankfach der Happy-Love-Kabine. Sie streifte sich Bleistiftrock und Seidenbluse vom Körper und hängte sie in die Vorrichtung, die beide Kleidungsstücke absolut knitterfrei im Fach verstaute. Mit dem Zeigefinger drückte sie den Knopf, und das Fach fuhr automatisch in den Schrank hinein.

Nun stand sie in ihrer Invisible Lingerie, die vollkommen ohne Nähte auskam, in der Kabine. Ihre honigblonden Haare fielen locker über die ganzjährig sonnengebräunte Haut – für diesen genetischen Kniff, an den ihre Mutter während der Schwangerschaft gedacht hatte, war Yvonne ihr immer noch dankbar.

Ähnlich wie in Sonnenstudios oder vollautomatischen Massagekabinen konnten die Besucher von Happy Love ihre Erfahrung komplett selbst steuern. Die Erfinder setzten darauf, ein menschliches Grundbedürfnis zu befriedigen: die Sehnsucht nach Liebe. Sie wurde hier unkompliziert und ohne lästige Partnersuche gestillt. Schon bald nach der Eröffnung des ersten gab es Happy-Love-Studios an jeder Ecke.

Sie stellte sich vor den Touch-Screen-Monitor. Ein Laserstrich scannte ihre Pupillen. Danach erschien der Begrüßungsbildschirm.

„Hallo Yvonne, schön dich wiederzusehen bei Happy Love! Möchtest du dort weitermachen, wo du bei deinem letzten Besuch aufgehört hast?“

Sie überlegte einen Moment. Es war ja ganz nett, sich von dem Feuerwehrmann retten zu lassen. Aber langfristig konnte sie mit ihm keine Zukunft aufbauen.

Sie drückte auf „Nein“.

„Möchtest du dich heute überraschen lassen?“

Oh Gott, nein! Das Überraschungsprogramm hatte sie einmal ausprobiert und war bei einem Einbrecher gelandet, der sich bei seinem Überfall in sie verliebt hatte. Einen Kriminellen brauchte sie nun wirklich nicht.

„Möchtest du einen männlichen oder weiblichen Partner?“

Sie wählte „Männlich“.

Das Menü führte sie durch eine Auswahl von Liebesprogrammen, bis schließlich Happy Love starten erschien. Sie drückte den Button.

„Prima! Dein Programm wird in Kürze starten. Bitte stelle dich auf die Startposition und setze die Virtual Reality Brille auf.“

Yvonne positionierte sich auf der Vertiefung in der Mitte der Kabine und stülpte sich die ultraleichte Brille über den Kopf. Vor ihr erschien die Anzeige „Sensoren anlegen?“ Sie fixierte mit den Augen die Option „Ja“.

Mikroskopisch kleine Sensoren legten sich wie Federn auf ihre nackte Haut. Ihre Kopfhaut kribbelte von den vielen Berührungspunkten. Durch die Sensoren erhielt das Erlebnis, das sich gleich vor ihren Augen abspielen würde, eine zusätzlich Verstärkung. Ihr Körper schwebte in der Luft und legte sich mechanisch in die horizontale Position. Yvonne empfand keine Angst, in das Nichts unter ihr zu fallen, denn diese gegenstandslose Art der horizontalen Lage wurde seit vielen Jahren auch in Arztpraxen verwendet. Es gab mittlerweile bereits ähnliche Produkte, die Betten komplett ersetzten. Eine vollumfängliche Analyse der Körperbeschaffenheit sowie etwaiger Verspannungen sollte eine ideale Lage und den perfekten Schlaf garantieren. Yvonne liebäugelte schon seit Längerem damit, doch dieser Bettenersatz war noch unerschwinglich für sie.

Endlich erschien vor ihr die Anzeige „Viel Vergnügen mit Happy Love“. Jetzt ging es los.

Die Anthologie gibt’s als Taschenbuch und E-Book überall im Handel zu kaufen. Wenn du sie online kaufen willst, probiere doch einmal den Autorenwelt Shop aus – da werden wir Autoren nämlich sogar beteiligt! Viel Spaß beim Eintauchen in eine andere Welt!

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