Das Flanell-Ungetüm

Ein kleiner Vorgeschmack aus dem Romanprojekt, an dem ich gerade arbeite. Und eine Einstimmung auf die kalten Tage, die bald kommen werden 😉

Ein sexy Fummel

„Was hast du da an?“ Ich liege in Tinas 1,80 x 2,00 Meter Bett – wozu braucht so eine kleine Frau so ein Riesenbett? – und schaue von meinem Handy auf. Tina kommt gerade aus dem Bad. Sie trägt so ein Flanell-Ungetüm mit langen Armen und Beinen, in dem ich einfach mal so gar nichts von ihrem Körper sehe. Keine Konturen, keine Wölbungen.

„Es ist kalt“, antwortet sie trocken.

„Unter der Decke nicht mehr.“

Sie verzieht den Mund.

„So lasse ich dich jedenfalls nicht ins Bett“, necke ich sie.

„Du meinst, DU lässt mich nicht in MEIN Bett?“ Sie marschiert schnellen Schrittes zum Bett und macht Anstalten, hineinzusteigen. Aber das kann sie vergessen.

„Jedenfalls nicht in diesem Oma-Fummel!“ Ich trete mit dem Bein nach ihr. „Wozu trägst du überhaupt etwas? Gibt doch nichts Schöneres als eine weiche Decke auf nackter Haut. Und andere nackte Haut auf nackter Haut.“ Ich zwinkere vielsagend.

No way!

Tina greift nach der Decke, aber die habe ich fest mit den Beinen eingekeilt.

„Gib mir die Decke!“, ruft sie empört.

„Erst nackig machen!“

Sie verdreht die Augen und zieht die Hose aus. Dann setzt sie sich auf die Bettkante.

„Oben auch!“

„Nein! Mir ist sonst kalt nachts. Und ich habe keine Lust auf eine Erkältung.“

Als ob man sich unter dieser Daunendecke bei geschlossenem Fenster und laufender Heizung überhaupt erkälten kann! „Nichts da!“

Sie zieht wieder an der Decke, aber da ist nichts zu machen. „Lass mich rein“, nörgelt sie.

Ich schüttele streng den Kopf.

„Boah!“, stöhnt sie und zieht sich widerwillig das Oberteil über den Kopf. Dann krabbelt sie schnell unter die Decke.

Laserschwerte aus purem Eis

Flanell„Na geht doch“, sage ich, bevor sie ihre Füße an meine Waden hält und ich das Gefühl bekomme, sie werden augenblicklich zu Eisklötzen. „Jesus, Tina! Fließt überhaupt noch Blut durch deine Füße?“ Es fühlt sich an, als wären ihre Füße Laserschwerte aus purem Eis.

„Du hast es so gewollt!“, sagt sie grinsend. „Hättest du mich gleich ins Bett gelassen, wären sie nicht ganz so kalt.“

„Wag es ja nicht, deine Füße hochzuziehen!“ Ihre Füße haben sich Richtung Knie bewegt. Wenn sie bis zu den Oberschenkeln vordringen, werde ich Tina wieder aus dem Bett schubsen. So viel ist klar!

Vorfreudiges Schnurren

Sie kichert. Ich stehe auf dieses Geräusch! Es ist pures Dopamin. Ich ziehe sie an mich. Ihr Körper ist tatsächlich auch ein bisschen kalt, aber ich habe genug Wärme übrig. Ich fahre mit den Fingern über ihren Rücken, ihre Taille, ihren Hintern. Dieser Flanell-Fummel hätte sowieso nicht lange überlebt, wäre sie damit ins Bett gekommen.

„Hey, schnurrst du etwa?“, flüstert mir Tina ins Ohr.

„Kann schon sein“, murmele ich.

„Duuu?“

„Hm?“

„Ich muss morgen echt früh raus.“

„Dann hättest du doch das Oma-Teil anlassen sollen“, brumme ich und knabbere an ihrem Ohrläppchen.

Schlafen kann sie auch noch, wenn sie alt und faltig ist.

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