Ausgebrannt – Burnout

In stressigen Zeiten, wenn ich viel hin und her reisen muss und nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht, dann kann ich mir ganz entfernt vorstellen, wie sich Burnout anfühlen muss. Wenn einfach alles zu viel wird…

Das durfte er auf keinen Fall versauen!

Es begann damit, dass Boris einen neuen Job bekam. Ein toller Job, einer von dem er immer geträumt hat. Er wollte unbedingt alles richtig machen. Das hier durfte er auf keinen Fall versauen! Die ersten Wochen zeigten einen eher holprigen Start. Boris musste wirklich reinhauen, sonst war er ganz schnell wieder draußen. Scheiß auf Freizeit, Spaß konnte er auch noch später haben, wenn er angekommen war. Das hier war grad wichtiger! Und die Chefin verlangte verdammt viel. Logisch, er musste sie beeindrucken. Aber bloß wie?

Ein paar Wochen später war noch keine Besserung in Sicht. Sein Schreibtisch wurde immer voller und er hatte keine Ahnung, wie er das alles schaffen sollte. Aber er musste irgendwie! Wie hieß es so schön: Man wächst mit seinen Aufgaben! Also, dann würde er das auch. Arschbacken zusammenkneifen und los!

Er konnte jetzt nicht versagen!

Leistungsdruck und Überarbeitung führen zu Burnout
Wieder einmal der letzte im Büro?!

Nach einem halben Jahr spürte Boris eigentlich kontinuierlich diesen Druck in sich. Er konnte kaum noch richtig frei atmen. Manchmal merkte er erst spät abends, dass er den ganzen Tag nichts gegessen und keine Pause gemacht hatte. Aber das war einfach nicht drin! Er würde es sonst nicht schaffen. Schlafen ging auch nicht mehr. Er merkte schon hin und wieder, dass sein Körper ziemlich schwach war. Und wenn er in den Spiegel schaute, erschreckte er sich. Er kam einfach nicht zur Ruhe nachts. Wieder und wieder ging er die ToDos des nächsten Tages durch und fühlte sich eigentlich auch ein bisschen schlecht, wenn er schlief statt weiterzumachen. Denn wir reden hier von seinem Traum, ja?! Dafür lohnte sich das Ganze doch.

Seine Freunde bekamen Boris im Grunde nicht mehr zu Gesicht. Und wenn er mal bei einer Party dabei war, kam wieder dieses Schuldgefühl hoch. In besonders intensiven Momenten überkam ihm der Gedanke, aufzugeben. Aber das ging doch nicht! Er konnte jetzt nicht versagen. Eine Lusche würde aufgeben, aber er musste es schaffen. So eine Chance bekam er sicher nicht noch einmal. Und es war ja auch nicht für ewig so. Bestimmt nicht.

Wie ein Taschenmesser klappte er zusammen

Noch ein bisschen später waren seine Gedanken von diesem Leistungsdruck bestimmt. Er konnte sich nicht mehr konzentrieren, keinen klaren Gedanken fassen. Manchmal starrte Boris Löcher in die Luft, da fühlte sich sein Kopf ganz leer und schwer an. In anderen Momenten zischten tausend Gedanken durcheinander. Und dann gab es Momente, da klappte er wie ein Taschenmesser unter dem Druck zusammen und heulte Sturzbäche.

Die kleinsten Dinge wie Einkaufen oder Staubsaugen wurden zu einer Tortur, weil sein Körper gegen ihn rebellierte. Da ging gar nichts mehr. Nach außen funktionierte er, aber in Wirklichkeit war er nicht mehr erreichbar. Keiner drang zu ihm durch. Irgendwann konfrontierte ihn sein bester Freund damit, dass er nur noch eine Hülle seiner selbst war. Da verstand Boris, dass er das, was er tat, eigentlich nicht mehr als „leben“ bezeichnen konnte.

Sind wir mental zu schwach oder wird zu viel erwartet?

Die Erwartungen heutzutage sind immens hoch. Selbst gute Leute finden keine Arbeit, weil die Arbeitgeber die perfekten Arbeitnehmer suchen. Die Bewerber müssen haargenau auf die Stellen passen, denn für eine längere Einarbeitung ist keine Zeit. Wenn man also das Glück hat, einen Job gefunden zu haben, will man ihn um keinen Preis mehr verlieren. Also tut man, was erwartet wird. Mehr sogar. Im schlimmsten Fall opfert man sich auf für den Job. Und je mehr man bereit ist zu leisten, umso mehr wird erwartet.

Nur gesund ist man produktiv

Burnout verhindern!
Eine Auszeit muss drin sein!

Wenn ich selbst in einen Moment der Überarbeitung komme, spreche ich mir wie ein Mantra vor: Du arbeitest, um zu leben. Du lebst nicht, um zu arbeiten. Ich weiß, das klingt, als würde ich es einfach so dahin sagen. Aber ich bin selbst noch nicht allzu lange im Berufsleben und nicht vor Burnout gefeit. Auch ich musste lernen, dass ich keine schlechte Arbeit leiste, nur weil ich nicht alles schaffe. Klar ist es nicht leicht, eigene Grenzen zuzugeben. Aber jeder hat Grenzen. Und letzten Endes bringe ich meinem Chef mehr, wenn ich da bin und produktiv bleibe, als wenn ich vor Überlastung ein halbes Jahr ausfalle.

Viel zu tun gibt es immer mal. Aber wenn ich das Gefühl habe, die Situation nicht mehr zu beherrschen, diesen berühmten Druck spüre, schlecht schlafe oder von der Arbeit träume, dann versuche ich gegen zu lenken. Ich achte bewusst auf meine Pausen- und Arbeitszeiten, gebe Arbeit ab und wenn es gar nicht anders geht, spreche ich mit meinem Vorgesetzten. Das fällt mir nicht leicht! (Jeder der mich kennt, weiß das) Aber ich will das Leben, das mir die Arbeit ermöglicht, auch genießen können. Und daran muss man sich ab und zu selbst erinnern!

Du arbeitest, um zu leben. Du lebst nicht, um zu arbeiten.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Ein Tag am Meer - Mieth me!

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